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Biologie der Tümmler

Auf dieser Seite haben wir für Euch einige wissenschaftliche Erkenntnisse über die Delphine bzw. die großen Tümmler der Weltmeere zusammengestellt. Dieser Text ist in Zusammenarbeit mit der Biologin Angela Ziltener entstanden, die auch für den wissenschaftlichen Bereich unseres neuen Forschungsprojektes „Dolphin Watch“ verantwortlich ist.

 

 
 

Zweifellos sind Delphine für uns Menschen, zu allen Zeiten und in allen Kulturen, eines das am meisten von Mythen umrankte Lebewesen. Jeder kennt Geschichten, in denen Delphine Schiffbrüchige begleiteten, Ertrinkenden das Leben retteten indem sie sie an der Wasseroberfläche hielten, oder sogar an die Küste brachten. Ihre freundliche, im Gegensatz zu den Haien nicht aggressiv erscheinende Gestalt, findet seine für uns so ansprechende Perfektion in den nach oben gezogenen Mundwinkel der langen Schnauze: Das Lächeln des Delphins.

Der Grosse Tümmler (Tursiops truncatus) ist diejenige Art von den Delphinen, die in Delphinarien am häufigsten anzutreffen sind und durch die Serie „Flipper“ bekannt wurde. Er ist somit der berühmteste Vertreter dieser Art. Nebst dem Mittelmeer, dem Roten- und dem Schwarzen Meer ist er auch in allen drei Ozeanen beheimatet.

Systematik

Delphine sind keine Fische, sondern fischähnliche, meist in größeren Gruppen lebende Meeresrsäugetiere. Die zu den Zahnwalen gehörende Familie Delphine umfasst rund 40 Arten. Sie sind von 1,2 m (Hectordelphin) bis zu 8 m lang (Grosser Killerwal). Unter den Walarten sind Delphine am zahlreichsten und vielfältigsten in allen Meeren dieser Erde verbreitet.

  • Ordung: Wale (Cetacea)
  • Unterordnung: Zahnwale (Odontoceti)
  • Überfamilie: Delphinartige (Delphinoidea)
  • Familie: Delphine (Delphinidea)
  • Unterfamilie: Echte Delphine (Delphininae)
  • Gattung: Tümmler Tursiops
  • Art: Grosser Tümmler (Tursiops truncatus)

Es ist umstritten, ob der Grosse Tümmler wirklich nur eine Art ist, manche Zoologen unterteilen die Gattung in drei Arten:

  • Atlantischer Grosser Tümmler (Tursiops truncatus)
  • Indopazifischer Grosser Tümmler (Tursiops aduncus)
  • Pazifischer Grosser Tümmler (Tursiops gilli)

Bei unseren beobachteten Delphinen handelt es sich um den indopazifischen Grossen Tümmler (Tursiops aduncus), der Hauptsächlich im Norden des Roten Meeres anzutreffen ist.

Äussere Merkmale

Der Grosse Tümmler kann eine Grösse bis zu 4 m und ein Gewicht von bis zu 650 kg erreichen, der Indopazifische Grosse Tümmler im Roten Meer wird durchschnittlich nur halb so gross und wiegt um die 200 kg. Ein neugeborenes Kalb ist etwa 65 – 105 cm lang und wiegt 15 – 30 kg. Die kleinen bis mittelgroßen Tiere sind gekennzeichnet durch ihren spindelförmigen Körper mit einer sichelartigen, nach hinten gebogenen Finne auf dem Rücken. Sie besitzen ein Blasloch, das man oben auf dem Kopf des Delfins erkennen kann. Von dort gelangt die Luft durch die Luftröhre in die Lunge, wo der Sauerstoff-ins Blut transportiert wird. Normalerweise atmen die meisten Delphinarten beim kurzen Auftauchen einmalig aus und ein. Delphine erneuern bei jedem Atemzug 80-90% der Luft, während wir es auf 10-15% bringen. Ihre Atmung wird bewusst gesteuert. Der Atemreflex wird unter Wasser nicht ausgelöst, sie würden ersticken wenn sie nicht an die Wasseroberfläche gehen würden um Luft zu holen. Aus diesem Grund schlafen Delphine immer nur mit einer Gehirnhälfte, die andere Hälfte steuert die Atmung.

Delphine besitzen zweckmäßige, kegelförmige Zähne (meistens zwischen 100-200 Stück). Mit Ausnahme der Rundkopfdelphine sind bei diesen Kleinwalen die Kiefer zumeist deutlich abgesetzt, so dass ein Schnabel entsteht. Die kräftige kurze Schnauze an der Kopfspitze verleiht dem Grossen Tümmler den englischen Namen "Bottlenose Dolphin".

Echolation und Sehen

Delphine verfügen über eine Anzahl von Lauten und Gesten, mit denen sie sich untereinander verständigen. Um miteinander zu kommunizieren, benutzen sie individuelle Pfeiftöne, im englischen auch „whistles“ genannt; somit hat jedes einzelne Tier einen charakteristischen Erkennungston oder -name. Die Laute der Delphine bewegen sich in einem Frequenzbereich von 0,25 – 220 kHz. Parallel zur klassischen Schallwahrnehmung mit dem Trommelfell haben sie eine Erzeugung und Wahrnehmung von Ultraschallauten und Echoorientierung entwickelt, die sie zum Orten ihrer Beute (z.B. Fische, Weich- und Krebstiere) und zum deren Betäuben einsetzen. Die Laute oder die innerlich erzeugten Schallwellen werden im Fettorgan im Kopf, auch Melone genannt, zu einem Richtstrahl gebündelt und nach vorne ausgesandt. Obwohl die Delphine über zwei kleine Ohröffnungen verfügen, wird der reflektierte Schall über das Maul ans Innenohr weitergeleitet. Am dünnen Knochenblatt im Unterkiefer, auch akustisches Fenster genannt, wird der meiste Schall empfangen und über das Fettorgan zum Mittelohr geleitet. Im Gehirn finden dann die Informationsverarbeitung und die Interpretation des reflektierenden Objekts statt, was am Ende ein dreidimensionales Bild vermittelt. Delphine haben ein großes Gehirn, was jedoch auch mit dem Speicherraum für die Verarbeitung von akustischen Signalen in Verbindung steht.

Unter anderem verfügen Delphine auch über gute Augen, mit welchen sie unter Wasser wie auch an der Luft Scharfstellen können, da sie über kräftige Muskeln rund um die Augen verfügen, welche die Linse, je nach Medium, verändern. Das Objekt wird unter Wasser von der Seite eines Auges gesehen, über Wasser von vorne mit beiden Augen. Die Augäpfel können unabhängig voneinander bewegt und fokussiert werden, indem das eine Auge zum Beispiel nach oben in den hellen Himmel schaut mit fast geschlossener Pupille, das andere hingegen abwärts in den tiefen Grund mit weit geöffneter Pupille. Die Meeressäuger können sich also auch an extreme Lichtverhältnisse, aufgrund ihrer grossen Pupille, anpassen. Ihre grossen Augen können somit mit nachtaktiven Tieren auf dem Land verglichen werden. Wissenschaftler vermuten, dass Wale farbenblind und Monochromaten (Grünzapfen) sind und nicht wie wir Menschen Trichromaten (Blau-, Grün und Rotzapfen).

Sozialstruktur

Grosse Tümmler leben in engen sozialen Verbänden, so genannten Schulen. Die eher in der Hochsee lebenden Delphine ziehen gerne in Schulen von 1000 Tieren umher, in Küstennähe schließen sich meist nur 2-15 zusammen. Bei der Jagd bilden Delphinschulen oft mehrere kilometerbreite Reihen. Außerdem unternehmen viele Arten jahreszeitliche Wanderungen, die mit der Nahrungssuche zusammenhängen.

Hier in der Umgebung von Hurghada umfassen die Gruppen zwischen 3-12 Tiere, die miteinander die Riffgebiete durchstreifen. Kleingruppen können aus Weibchen und Jungtiere bestehen oder aus jugendlichen Männchen, so genannten Junggesellenverbänden. Diese kleine Untergruppe, welche aus zwei bis sechs Tieren bestehen, ist in der Regel sehr stabil. Vereinigen sich mehrere Kleingruppen miteinander, bilden sie eine Grossgruppe oder wie schon oben erwähnt, eine Schule. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen, im Englischen auch „Fission Fusion Society“ genannt. Kommen aber mehrere Gruppen in oben beschriebener Weise in einem bestimmten Gebiet, zum Beispiel in einer Bucht von Florida oder in Australien (Shark Bay), zusammen, bilden sie so genannte Gemeinschaften, die keinerlei Interaktionen mit Delphinen ausserhalb ihres Gebietes zeigen.

Fortpflanzung

Da der Geruchsinn der Wale und der Delphine nicht so gut ausgebildet ist, zeigen sie bestimmte Verhaltensweisen, um die Paarungsbereitschaft auszudrücken. Die Werbung und die Paarung müssen aber bei den Delphinen nicht unbedingt auf die Fortpflanzung ausgerichtet sein. Solche Verhaltensmuster von einzelnen Tieren oder Gruppen werden auch oft bei einer Begrüssung oder sozialen Bindung nach einer langen Trennung beobachtet. Auch verhalten sich einige nicht geschlechtsreife Jungtiere wie die Erwachsenen und zeigen bestimmte Verhaltensmuster aus der Sexualität, indem sie sich gegenseitig verfolgen und jagen, sich mit der Schnauze und Körper reiben und miteinander kopulieren.

Die Geschlechtsorgane der Delphine beziehungsweise deren Öffnungen liegen verborgen in einer Genitalfalte, so dass man bei einer oberflächlichen Betrachtung die Geschlechter nicht unterscheiden kann. Beim Männchen wie beim Weibchen liegt der Nabel ziemlich genau auf der Mitte der Bauchseite. Weiter hinten, wo der Schwanzstiel beginnt, befindet sich der After. Beide Geschlechter haben eine Genitalfalte die beim Männchen weiter vom After entfernt ist als beim Weibchen. Das Weibchen besitzt überdies zu beiden Seiten der Genitalfalte je eine Nabelfalte, oder auch Zitzenfalte genannt. Darin befinden sich die Zitzen, die wir allerdings auch bei gewissen Männchen finden. Das einzige von außen zu erkennende Geschlechtsmerkmal bleibt somit der Abstand zwischen After und Genitalfalte.

Bei den meisten Säugetieren besteht der Penis im Wesentlichen aus drei säulenartigen Schwellkörpern aus schwammigem Gewebe, welches sich bei der Erektion mit Blut füllt. Der Penis der Wale weist auch diese drei Schwellkörper auf, doch sie enthalten einen grossen Anteil an hartem, fibrösem Gewebe, sind also weniger schwammig. Der Penis hat somit immer die gleiche Größe und wird von zwei Muskeln in die Genitalfalte gezogen und tritt heraus, wenn die Muskeln erschlaffen. Dies geschieht meist bei geschlechtlicher Erregung.

Delphine sind sehr sinnliche Tiere, die gern Zärtlichkeiten mit ihren Artgenossen austauschen. Hiermit verbringen sie täglich viel Zeit, der eigentliche Akt der Paarung dauert dagegen gerade mal 20 Sekunden. Er findet meist nach einer ausgiebigen Schmuserei statt und ist für Beobachter sehr schwer zu erkennen. Manche Delphinarten können aber auch ein aggressiveres Verhalten an den Tag legen. So gibt es Berichte darüber, dass mehrere Bullen ein einzelnes Weibchen bedrängen und geradezu vergewaltigen wie zum Beispiel in Shar Bay, West Austtralien.

Im Alter von 5-12 Jahren werden die Weibchen geschlechtsreif, die Männchen erst nach 10-13 Jahren. Nach einer Tragzeit von 10-12 Monate bringt das Weibchen meist im Sommer ein Kalb zur Welt. Bei der Geburt sind mindestens zwei erwachsene Helfer, die man als „Tanten“ bezeichnet, dabei, die der Mutter helfen das Neugeborene an die Wasseroberfläche zum Atmen zu bringen und es vor Feinden, wie zum Beispiel den Haien, zu schützen. Das Junge wird dann von der Mutter 16 Monate gesäugt. Diese lange Laktationsdauer hat zur Folge, dass ein Weibchen nur alle 2-3 Jahre ein Junges bekommt.

Oft kümmern sich die Hebammen auch weiterhin um das Jungtier, bis es völlig selbstständig ist. Wenn man jedoch ein erwachsenes Tier in Begleitung eines Jungtieres sieht, muss das nicht immer die Mutter oder eine der anderen weiblichen Hordenmitglieder sein. Es kommt auch vor, dass sich ein männliches Tier dem Nachwuchs annimmt.

 

 
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