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Chronik

An einem Frühlingsmorgen Anfang März im Jahre 2001 begann eine, für uns bedeutende Geschichte, die sich bis heute fortsetzt und mittlerweile vielen Tauchern unvergessliche Momente in der Unterwasserwelt bereitet hat.

 
 

Wie alles begann

Es war fast windstill und so hatten wir die ruhige See ausgenutzt und fuhren mit unserem Schiff, der Amr el Masry gen Norden, um einen unserer Lieblingsplätze anzusteuern. "Shaab Sambuka", wie es die alten Fischer nannten, war ein kleines wunderschön bewachsenes Riff. Als "Shaab" wird allgemein ein Riff bezeichnet, jedoch bedeutet das Wort im alt arabischen "Volk" und "Sambuka" nannte man die alten sudanesischen Segelschiffe, die hier im Roten Meer Fischfang und Handel betrieben. Ein solches Schiff war hier vor langer Zeit auf das Riff gelaufen und gesunken und hatte so dem Platz seinen Namen gegeben.

Die Crew war noch mit dem Anlegemanöver beschäftigt, als die Taucher einen Delphin an der Wasseroberfläche entdeckten. Natürlich konnte es keiner abwarten, eventuell einem Delphin unter Wasser zu begegnen, also machten sich alle sofort fertig zum Tauchen. Schon kurz nachdem wir uns etwas vom Boot entfernt hatten, war er da. Ein großer Tümmler, der uns nicht mehr von der Seite wich. Er war ungewöhnlich zahm und langsam in seinen Bewegungen. Schnell erkannten wir den Grund für sein Verhalten. Der Delphin war schwer verletzt. Zuerst konnten wir nur seine rechte Körperhälfte sehen. Aus dem vorderen Bogen seiner Rückenflosse fehlte eine tiefe Ecke und unter der Flosse war eine kleinere frische Fleischwunde.

Als er sich dann aber drehte und die andere Seite seines Körpers zu sehen war, erschraken wir im ersten Moment (Aufnahmen drei Wochen nach Haiangriff). Unter seiner stark angefetzten Rückenflosse klaffte eine große Bisswunde. Frische Fleischfetzen hingen in den Rissen, die unverkennbar von einem mehrreihig bezahnten Maul stammen mussten. Seine Ateminterwalle an der Oberfläche waren unnatürlich häufig und nur selten tauchte er etwas tiefer ab.

Er schien sich in der Nähe von uns Menschen sehr wohl zu fühlen und da er die meiste Zeit seine Augen geschlossen hatte, nahmen wir an, dass er sich in unserer Gegenwart nicht in Gefahr wähnte. So blieben wir bei ihm und schwammen mit ihm in Nähe der Riffkante hin und her bis der Restdruck in unseren Tauchgeräten uns zum Auftauchen zwang.

Zurück an Bord der Amr el Masry beschloss das Team sofort, den Rest des Tages, zumindest so lang wie möglich, bei dem Delphin zu bleiben. Abwechselnd wollten wir ihm Gesellschaft leisten. So hielten wir uns den ganzen Tag an Shaab Sambuka auf und der Delphin, den wir Ferdinand getauft hatten, blieb bei uns.

Am späten Nachmittag legte das Boot vom Riff ab und einige der Taucher hatten fast Tränen in den Augen, als sie sahen, wie ihr neuer Freund dem Boot folgte. Wir begannen darüber nachzudenken, was wir tun sollten, wenn er uns bis nach Hause folgen würde, doch als das Schiff tieferes Wasser erreichte, drehte der Delphin ab und blieb zurück.

Ferdinand war ein wild lebendes Tier und allen war klar, dass es besser für ihn war, in Freiheit zu bleiben, um seinem Schicksal zu folgen. So hofften wir, dass er überleben würde und seine Verletzungen keine weiteren Haiangriffe nach sich ziehen würden. Wir gaben Ferdinand den Beinamen "Destiny".

Am nächsten Tag fuhren wir wieder an das gleiche Riff und Ferdinand war noch da und so verbrachten wir wie zuvor den Tag miteinander.

In den folgenden Wochen begegnete uns der, an seiner langsam verheilenden Wunde leicht zu erkennende Delphin, an verschiedenen Riffen. Ferdinand schien uns zu mögen und es sah so aus, als erkannte er unter Wasser sogar das Schrauben- oder Motorengeräusch des Schiffes.            

Wann immer wir ihn trafen, blieb er bei uns und wenn das Boot Nachmittags den Tauchplatz verließ, schwamm er noch eine Weile mit, bis er irgendwann abdrehte und in der Weite des Meeres verschwand.

Deutlich war zu erkennen, wie er sich zusehends erholte und sein Körper kräftiger wurde. Auch sein Spieltrieb wurde immer stärker. Er liebte es, sich an Gorgonen oder Lederkorallen zu streifen oder Wurmhügel anzurempeln. Einmal jonglierte er eine Qualle auf der Nasenspitze, schubste sie jemandem zu und fing sie, nachdem dieser sie zurück puschte, wieder ein. Immer wenn wir ihn trafen, fing er an zu zirpen, als wolle er eine Geschichte erzählen. Dabei wackelte er wie verrückt mit dem Kopf hin und her.

Die alten Fischer, denen die Filmaufnahmen von ihm gezeigt wurden, konnten im ersten Moment nicht glauben was sie sahen, denn der Volksmund sagt, dass sich Haie vor Delphinen fürchten und sie nicht angreifen würden. Doch die Fischer bestätigten, das die Wunde in Ferdinands Rücken von einem großen Hai stammen musste. Sie erklärten, dass der Biss nicht von einem runden breiten Maul wie zum Beispiel einem Tigerhai hätte stammen können, sondern eher einem spitzem zulaufenden Maul, wie es ein Makohai hatte.

Ferdinand hatte sich jedenfalls prächtig erholt. Es war nur bedauerlich, das unser Freund immer allein unterwegs war. Delphine jedoch leben in Gruppen und haben ein sehr ausgeprägtes Sozialverhalten. So freute es uns sehr, als wir ihn eines Tages zwischen einer Delphinfamilie entdeckten. Als wir im Wasser waren, kam er mit seinen Freunden sofort heran. Mit wippenden Brustflossen signalisierte er seine Freude über die Begegnung mit den ihm so vertrauten Menschen. Sein Verhalten war jedoch anders als bei unseren früheren Treffen. Er schien sich der Delphingruppe unterzuordnen. Gemeinsam umkreisten sie die Taucher - gingen in kleinen Gruppen an die Oberfläche zum Atmen und trafen sich unten wieder, um ihr Spiel fortzuführen.

Ihre kraftvollen Körper glitten ohne größere Bewegungen dahin, als wären sie Fabelwesen. Es ist immer wieder ein besonderes Erlebnis, ihnen unter Wasser zu begegnen.

Alle, die die Geschichte um Ferdinand kannten, waren nach diesem Tag sehr froh zu wissen, dass er nicht mehr allein war und wann immer sie ihm begegneten, war seine Familie auch dabei.                                              So oft es möglich ist, besucht die Tauchbasis die Horde Tümmler in den Riffgebieten vor Hurghada.

Und dort können auch heute noch Taucher aus der ganzen Welt Ferdinand und seine Freunde treffen.

 
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